Zuerst etwas Historie (diesen Absatz können Sie auch überspringen): Der Begriff Spektrometrie setzt sich aus den beiden Teilen Spek- und -metrie zusammen. Das griechische Wort skopein bedeutet "sehen" oder "schauen". Dieser Stamm ist im Lateinischen zu "spec" geworden. Das Suffix -metrie (von altgriechisch μέτρον „Maß, Maßstab“) bedeutet wörtlich, dass etwas gemessen wird. Zusammengesetzt kann der Begriff Spektrometrie somit als Messung und anschauliche Darstellung des Ergebnisses interpretiert werden.
Dies führt zur folgenden Begriffsbestimmung:
Spektrometrie ist die praktische Anwendung, bei der Ergebnisse generiert werden. In unserem Fall, die Messung der Intensität der Gamma-Strahlung mit einer geeigneten Messvorrichtung.
Gut, aber was fangen wir jetzt mit dieser Begriffsbestimmung im Fall der Gamma-Spektrometrie an?
Wiederholen wir, was wir schon wissen:
Wenn wir die Energie der Gamma-Strahlung bestimmen (d. h. messen) können, dann können wir das radioaktive Isotop identifizieren, das diese Gamma-Strahlung bei seinem radioaktiven Zerfall ausgesandt hat.
Und genau dieses Vorgehen erfolgt in der Gamma-Spektrometrie:
- Wir messen die Energie der Gamma-Strahlung mit einem geeigneten Messsystem,
- visualisieren das Messergebnis,
- werten das Messergebnis aus und
- identifizieren das Isotop, das die Gamma-Strahlung ausgesandt hat.
Anmerkung:
Die Liste kann noch mit dem Punkt Quantifizierung ergänzt werden, d. h. wieviel ist von einem Isotop vorhanden. Diesem Punkt wenden wir uns aber erst im Abschnitt Fortgeschrittene zu.
Mit den vier Punkten der Liste werden wir uns auf den nächsten Seiten beschäftigen. Wir werden untersuchen, wie wir die Energien von Gamma-Strahlung messen können und wie wir die Messergebnisse so aufbereiten können, dass wir letztlich die Isotope identifizieren können.
Doch lassen Sie uns an dieser Stelle einen kleinen Einschub machen, um eine manchmal auftretende Begriffsverwirrungen zu klären:
In der Literatur finden sich oftmals die beiden Begriffe Gamma-Spektrometrie und Gamma-Spektroskopie. Dabei bezeichnet
- Gamma-Spektroskopie eine qualitative Messung, die zur Identifikation der vorhandenen Radionuklide Anwendung findet, und
- Gamma-Spektrometrie die quantitative Bestimmung der Aktivität eines Radionuklids (inklusive der Messung).
Anmerkung:
In der Praxis werden diese Bezeichnungen oftmals nicht eindeutig verwendet. So werden beispielsweise Gamma-Detektoren manchmal auch als Gamma-Spektrometer bezeichnet, obwohl die genau Bezeichnung Gamma-Spektroskop lauten müsste.